Blog 08/26
Vorfreude
In diesen Wochen merken wir immer wieder, wie aus einer Idee langsam ein wirklicher Ort wird. Ein Ort, den wir uns lange vorgestellt haben und der nun mit jedem Gespräch, jeder Entscheidung und jedem kleinen Detail mehr Gestalt annimmt.
Dabei erfüllt uns vor allem eines mit grosser Dankbarkeit: Wieviel Unterstützung uns auf diesem Weg begegnet. Menschen, die mitdenken, mithelfen, ermutigen, Türen öffnen oder einfach sagen: Das ist eine schöne Sache, die ihr da aufbaut. Diese Unterstützung trägt uns. Gerade weil ein Geburtshaus nicht einfach nur aus Räumen, Möbeln und einem Konzept besteht. Es entsteht durch Menschen und durch die gemeinsame Überzeugung, dass Familien rund um die Geburt einen geschützten, persönlichen vertrauensvollen und sicheren Ort verdienen.
Und neben all den organisatorischen und grossen Fragen gibt es inzwischen auch die wunderbar kleinen. Welche Bettwäsche soll es sein? Welche Farben fühlen sich ruhig und geborgen an? Wie richten wir die Zimmer so ein, dass sie nicht nach Institution aussehen, sondern nach einem Ort, an dem man gerne ankommt? Wo braucht es Licht, wo Wärme, wo vielleicht einen Sessel, eine Decke oder ein kleines Detail, das einem Raum Persönlichkeit gibt?
Wir ertappen uns dabei, wie wir über Möbel, Materialien und Stimmungen sinnieren und merken, dass genau darin schon ganz viel Vorfreude steckt.
Bei all diesen Gedanken haben wir immer wieder die Menschen vor Augen, die irgendwann durch unsere Tür kommen werden. Da wird eine Frau sein, die vielleicht schon seit Tagen spürt, dass die Geburt näher rückt. Ein Paar, das aufgeregt ankommt. Eine Familie, die sich in wenigen Stunden ganz neu kennenlernen wird. Vielleicht wird gelacht, vielleicht geweint, vielleicht wird es ganz still. Und irgendwann wird da ein kleiner Mensch sein, gerade erst angekommen auf dieser Welt.
Was möchten wir diesen Familien für ihren Start mitgeben? Wir wünschen uns, dass sie sich bei uns sicher und gleichzeitig frei fühlen. Dass sie Zeit bekommen. Dass ihre Wünsche gehört werden. Dass sie fachlich kompetent begleitet sind und trotzdem spüren dürfen: Das ist unsere Geburt. Unser Kind. Unser Anfang als Familie.
Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Geburt nicht einfach „stattfindet“, sondern an dem dieser besondere Übergang bewusst Raum bekommt. Einen Ort, an dem Vertrauen wachsen darf, in den eigenen Körper, in das Kind und in die neue Rolle als Eltern.
Vielleicht ist es genau deshalb gar nicht nebensächlich, welche Bettwäsche wir auswählen oder wie ein Zimmer eingerichtet ist. Denn all diese kleinen Entscheidungen erzählen etwas darüber, wie wir Familien begegnen möchten: mit Sorgfalt, Wärme und Aufmerksamkeit.
Noch sind wir mitten im Entstehen. Es gibt Listen, Entscheidungen, offene Fragen und einiges zu tun. Aber zwischen all dem wächst etwas anderes immer stärker: die Vorfreude. Auf die ersten Familien. Auf die ersten Geburten. Auf die ersten ganz neuen Anfänge. Und auf einen Ort, von dem wir hoffen, dass viele Familien später einmal sagen können: Hier haben wir uns willkommen, getragen und gut aufgehoben gefühlt.
Ganz besonders wächst auch die Vorfreude auf die Zusammenarbeit im Team. Darauf, diesen Ort nicht nur für Familien, sondern auch gemeinsam mit anderen Hebammen mit Leben zu füllen. Wir freuen uns auf den fachlichen Austausch, auf unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven und darauf, voneinander zu lernen. Auf das gemeinsame Tragen von Verantwortung und auf das Vertrauen, das entsteht, wenn man sich aufeinander verlassen kann. Denn auch für uns Hebammen soll das Geburtshaus ein Ort sein, an dem wir uns wohlfühlen, uns gegenseitig stärken und mit Freude arbeiten. Ein Ort, an dem wir gemeinsam eine Hebammenkultur gestalten können, die von Wertschätzung, Verbundenheit und echter Zusammenarbeit geprägt ist.