"Ich wünschte, mein Krebs wäre früher entdeckt worden"
Diesen Satz höre ich oft in meiner Community.
Ich bin Anna, 37 Jahre alt, und lebe mit metastasiertem Brustkrebs. Das bedeutet, dass sich der Brustkrebs in anderen Organen ausgebreitet hat – bei mir in der Lunge. Stadium 4. Unheilbar.
Vor acht Jahren erhielt ich die Diagnose Brustkrebs im Frühstadium. Ich war in der Statistik eine von fünf Frauen, die im Alter von unter 50 Jahren Brustkrebs bekam. Ich machte Chemotherapie, eine Mastektomie (Brustentfernung) und Bestrahlung. Trotzdem kam der Krebs zurück. Vor vier Jahren wurden Metastasen festgestellt.
Heute frage ich mich oft: Hätte man meinen Krebs früher erkennen können?
Möglicherweise ja. Denn ich wusste damals nicht, dass in meiner Familie eine BRCA1-Mutation vorliegt – also eine genetische Veränderung, die das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs deutlich erhöht.
Früherkennung beginnt mit Wissen. Mit Aufklärung. Mit dem Bewusstsein dafür, welche Risiken es gibt und welche Veränderungen ernst genommen werden sollten. Früherkennung bedeutet auch, offen über Brustkrebs zu sprechen – in der Familie, im Freundeskreis, in der Gesellschaft.
Awareness schafft Wissen – und Wissen kann Leben retten.
Die Mammografie ist die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs. Viele Kantone bieten dafür ein organisiertes Mammografie-Screeningprogramm für Frauen ab 50. Verschiedene Fachgesellschaften empfehlen die Mammografie bereits ab 45 Jahren, da immer mehr junge Frauen an Brustkrebs erkranken.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Risikogruppen geboten – etwa bei familiärer Vorbelastung oder dichtem Brustgewebe. Da braucht es zusätzliche, frühere Aufmerksamkeit und individuell angepasste Vorsorge.
Eine Mammographie sollte kein Luxus und keine Ausnahme sein, sondern selbstverständlich.
Gleichzeitig sehe ich in meiner Community jeden Tag, wo unser System Lücken hat. Viele Frauen fallen durch die Maschen:
● zu jung für reguläre Früherkennungsprogramme
● lobulärer Brustkrebs, der in der Mammographie schwieriger erkennbar sein kann
● Rückfälle trotz früher Diagnose und intensiver Behandlung
● aggressive Tumore, die zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen entstehen und wachsen
Es macht mich traurig und wütend, wenn Brustkrebs pauschal als „gut heilbarer Krebs“ dargestellt wird. Ja, viele Frauen können erfolgreich behandelt werden. Aber längst nicht alle.
Ich habe einen Verein für Menschen mit metastasiertem Brustkrebs gegründet und wir haben bereits viele Frauen verloren. Frauen mitten im Leben. Frauen, die alles richtig gemacht haben: zur Vorsorge gegangen sind, jede empfohlene Therapie auf sich genommen haben – und trotzdem an Krebs gestorben sind.
Für mich bedeutet gute Früherkennung:
● Zugang zu Mammographie-Screenings für Frauen zwischen 45 und 74 Jahren
● ergänzende Untersuchungen wie Ultraschall oder MRI bei dichtem Brustgewebe und erhöhtem Risiko
● bessere Aufklärung über familiäre Risiken und genetische Faktoren
● mehr Wissen über schwer erkennbare Formen wie den lobulären Brustkrebs
Früherkennung kann Brustkrebs nicht verhindern, aber Früherkennung kann die Chancen auf eine frühe und erfolgreiche Behandlung verbessern.
Genau deshalb sind Initiativen wie Pink Cube so wichtig. Pink Cube schafft Awareness, macht Brustkrebs sichtbar und bringt das Thema Früherkennung in die Öffentlichkeit. Denn nur wenn wir offen darüber sprechen, können mehr Frauen informiert Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen und früher handeln.
Ich danke dem Pink Cube Team für ihr wichtiges Engagement und hoffe, dass künftig alle Kantone ein organisiertes Mammografie-Screeningprogramm anbieten.
Test Your Breast!
Autorin: Anna Farris