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Reportage: «Crowdfunding brachte uns Vorteile weit über das Geld hinaus»

09.08.2017
von Michèle Ullmann

Es ist morgens um 9 Uhr, noch sind die Strassen verwaist im thurgauischen Tobel. Einzig vor dem Vereinslokal der Musikgesellschaft Tägerschen-Tobel herrscht bereits emsiges Treiben. Ungefähr 10 Mitglieder haben sich hier eingefunden. Es wird gesägt, geschaufelt, gespachtelt, Beton gemischt, kurz gesagt: es wird umgebaut. Denn: Der Verein saniert sein Vereinslokal. Für CHF 60‘000.-. Mit dem Geld, das sie mit Crowdfunding auf lokalhelden.ch gesammelt haben.

Zum Crowdfunding-Projekt

Ein Augenschein vor Ort

Ich bin an diesem Samstagmorgen vor Ort, um mir selbst ein Bild von den Umbauarbeiten des über 30-jährigen Gebäudes zu machen. Ich habe das Projekt 3 Monate lang betreut und einen intensiven Austausch mit der Projekt-Starterin und Vereinspräsidentin Astrid Brühwiler gepflegt. Das Projekt dieses engagierten Vereins ist mir in diesen Monaten ans Herz gewachsen und ich habe mich sehr gefreut, als es vor ein paar Wochen erfolgreich beendet wurde. Ich bin gespannt, wie das Projekt nun umgesetzt wird.

Das Lokal wintertüchtig machen

Ich treffe Astrid beim Verpacken des Mobiliars an und werde von ihr herzlich begrüsst. Das Lokal scheint mir auf den ersten Blick noch gut in Schuss zu sein. Im Innern fühlt man sich wie in einer heimeligen Stube. Überall hängen Fotos, Pokale und ich entdecke viele Erinnerungsstücke an vergangene Tage. «Wir müssen die defekte Heizung ersetzen und das Lokal besser isolieren um im Winter vernünftig Proben zu können.»

«Jeder unterstützt mit dem was er am besten kann»

Es ist 9:30 Uhr, Zeit für die Znünipause. Wir gehen alle gemeinsam in das Haus nebenan, wo Susanne allen Helfern Kaffee, Brötli und Früchte bereitstellt. «Jeder unterstützt den Umbau mit dem, was er am besten kann. Über Verpflegung sind wir genauso dankbar wie über das Mischen von Beton», sagt mir Astrid und gönnt sich einen Schluck Kaffee. Wenn sie so vieles selber machen, wofür wird dann das Crowdfunding-Geld verwendet? «Einen Grossteil der Arbeiten machen wir selbst. Von dem gesammelten Geld kaufen wir die Baumaterialien, zum Beispiel das Isolationsmaterial und den Verputz. Vor allem aber zahlen wir mit dem Geld die Kosten für Arbeiten wie beispielsweise die Kernbohrung für die neue Heizung, die wir nicht selbst machen können.»

Unterstützung von aussen

Nach einer halben Stunde gehen alle wieder an die Arbeit. Langsam aber sicher wird es auch richtig warm und klebrig unter den Arbeitsklamotten. Dennoch meint Astrid: «Es helfen alle fleissig mit bei den Umbauarbeiten und wir werden auch von aussenstehenden Personen stark unterstützt. Alle sind motiviert dieses Projekt durchzuziehen. Wenn wir jetzt schwitzen und dafür im Winter dank der neuen Heizung nicht frieren, ist das die Mühe wert.»

«Die Leute auf dem Land sind skeptisch gegenüber Crowdfunding»

Der Erfolg des Crowdfunding-Projekts hat besonders motiviert. «Es war eine grosse Erleichterung als wir die Finanzierungsschwelle erreichten. Viele Gelder haben wir über die Konzerte generiert, da hier auf dem Land vor allem die älteren Leute noch etwas skeptisch gegenüber digitalen Plattformen sind. So haben wir es gerade geschafft den Mindestbetrag zu sammeln, was leider nicht komplett reicht für alle Reparaturen. Da wir viele Spenden direkt erhielten, hätten wir den Betrag vielleicht auch ohne digitales Crowdfunding erreicht.»

Crowdfunding bringt unbezahlbare Mehrwerte

Ich bekomme ein ungutes Gefühl, dass Crowdfunding ihr gar keinen Mehrwert gebracht hat. Im Vereinslokal selbst entdecke ich ein Anschlagbrett mit dem Aufruf Spender für das Crowdfunding-Projekt zu sammeln. «Ich bereue den Entscheid aber überhaupt nicht. Ich finde, man soll vor allem auch als Vereinspräsident immer offen gegenüber neuen Möglichkeiten sein. Für mich zählt bei diesem Projekt eher der qualitative Erfolg. Das Projekt hat dem Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Vereins gut getan. Es war immer wieder spannend zuzusehen wie die Rakete in die Höhe steigt und die Prozentzahl des Finanzierungsgrades wächst. Das Projekt bekam viel Aufmerksamkeit, auch bei Leuten, die sonst keinen Bezugspunkt zu uns haben. Das sind unbezahlbare Elemente, die es genauso braucht wie das Geld.», sagt Astrid zufrieden und widmet sich wieder dem Mobiliar.

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am 30.11.-1 um 00:00 Uhr

Danke für den tollen Bericht und die Unterstützung! Bin stolz, ein Teil dieses Vereins zu sein.

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