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Dieser Mann will die Alterspflege revolutionieren

20.09.2017
von Michèle Ullmann

David war der Meinung, dass im Altersheim mehr Leben herrschen muss. Er erfand kurzerhand einen neuen Beruf und nimmt nun als «Soulman» am Leben der Seniorinnen und Senioren teil. Sein Crowdfunding-Projekt erzielte über CHF 30‘000.- und war innert kurzer Zeit überfinanziert. In einer Videobotschaft sagt er danke und erzählt in einem Interview worum es ihm beim Projekt geht.

Zum Projekt «Soulman»

Wie bist du auf die Idee zum «Soulman» gekommen?

«Ich habe festgestellt, dass ältere Menschen im Altersheim oft alleine sind. Dabei dachte ich mir: Da muss es doch noch mehr geben. Das war die Geburtsstunde von «Soulman», einer Person, die mit ihnen unterwegs ist, ihnen zuhört und für sie da ist.»

Wie haben die Bewohner und Mitarbeiter des Altersheims auf dein Vorhaben reagiert?

«Die Bewohner haben sich sehr gefreut. Sie sind sehr froh, dass jemand da ist, der für sie Zeit hat. Auch die Mitarbeiter waren sehr dankbar, dass ich diese «Arbeit» übernahm, da sie meistens keine Zeit haben sich länger um die Bewohner zu kümmern. Ich bin dem Altersheim sehr dankbar, dass sie mir die Chance geben. Soweit ich es einschätzen kann, sind sie sehr zufrieden mit mir.»

Wie verläuft die Umsetzung von «Soulman»?

«Zurzeit arbeite ich zwei Tage im Altersheim und 3 Tage bin ich im Dorf unterwegs und besuche alleinstehende Senioren. Bei einigen schaue ich auf einen Kaffee vorbei, anderen helfe ich beim Einkaufen.

Senioren haben ein extrem hohes Bedürfnis zu reden. Es ist immer sehr interessant was sie erzählen. Ich liebe es ihnen zuzuhören und bin dankbar, dass ich auf dem letzten Teils ihres Lebensweges Zeit mit ihnen verbringen darf und ihnen damit Lebensfreude schenke.»

Ist dies auch deine grösste Angst im Alter: die Einsamkeit?

«Ich selbst habe keine Angst vor dem Alleinsein. Ich habe eine tolle Familie und einen engen Freundeskreis, der mir hoffentlich bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Ansonsten wäre ich froh, wenn mich auch ein Soulman besuchen könnte =).»

Gibt es bereits Nachahmer des «Soulmans»?

«Ich habe tatsächlich schon diverse Anfragen von Nachahmern erhalten und habe ihnen erzählt wie ich das Ganze angepackt habe. Ich bin gespannt, ob sie das auch schaffen. Ich hatte natürlich das Glück mit dem Crowdfunding-Projekt CHF 30‘000.- beisammen zu haben, mit dem ich das Projekt finanzieren kann.»

Was ist deine Vision mit «Soulman»?

«Meine Vision ist, dass es mehr Menschen von meiner Sorte gibt und dass es eines Tages ein bezahlter Job ist. Es ist für mich der wesentlichste Job in einem Altersheim, den Luxus, den man diesen Menschen ursprünglich bieten wollte. Dass sie sich wohlfühlen und keine Einsamkeit entsteht. Ich habe grossen Respekt vor dem Pflegepersonal, aber ich bin überzeugt, dass es den Soulman als Zwischenmensch braucht, mit dem man über Gott und die Welt plaudern kann.»

Möchtest du mit dem «Soulman» die Alterspflege revolutionieren?

(lacht) «Ja, gerne! Ich finde schon, dass das jetzige System ziemlich veraltet ist und das Wesentlichste fehlt: Der Austausch mit Mitmenschen. Es wäre toll, wenn dies zukünftig anders wäre.»

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