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«Die Bewohner würden ihr zu Hause verlieren»

13.07.2017
von Michèle Ullmann

Seit über 20 Jahren bietet das Wohnheim Bergquelle in Zweisimmen ein zu Hause für Menschen mit Beeinträchtigung. Mittlerweile sind die Wohnheime stark sanierungsbedürftig und nicht mehr auf dem neusten Stand. Die Bewohner sollen deshalb ein neues Vorzeige-Wohnheim erhalten.

Projekt-Starterin Karin OswaldUm die Finanzierung zu sichern, hat die Leitung des Wohnheims auf lokalhelden.ch ein Crowdfunding-Projekt  gestartet mit dem Ziel mindestens Fr. 70‘000.- zu sammeln. Über Fr. 62‘000.- sind bereits zusammengekommen, das Projekt befindet sich im Endspurt. Ein Interview mit der Projekt-Starterin und Lokalheldin Karin Oswald.

Für wen ist das Wohnheim gedacht?

Bei uns wohnen und arbeiten erwachsene Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung.

Ihr seid Teil des neuen Behindertenkonzepts des Kantons Bern. Um was geht es dabei?

Das neue Behindertenkonzept des Kantons Bern ermöglicht die Förderung von Selbstbestimmung und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Die individuelle Person wird neu direkt finanziert, angepasst auf ihre persönlichen Bedürfnisse. Sie kann so mitbestimmen wie sie wohnt (in der Ursprungsfamilie, in einer Mietwohnung, in einer Institution) und bei wem (Institution, Privatperson) sie ihre Leistungen einkaufen wollen.

Durch die Teilnahme am Pilotprojekt ist es uns möglich Tendenzen frühzeitig zu erkennen und unser Wohn- und Assistenzangebot optimal auf die zukünftigen Bedürfnisse anzupassen.

Seht ihr euch als Vorreiter?

Ja, wir sehen uns als Vorreiter für neue individuelle Wohn- und Assistenzformen. Wir bieten drei Wohnformen für Menschen mit Beeinträchtigung an, die

  • Betreuung und Begleitung rund um die Uhr benötigen,
  • individuell in unseren Räumlichkeiten wohnen und gewisse Unterstützung benötigen,

  • individuelle im Dorf oder in der Umgebung wohnen und wenig Assistenz benötigen.

In Nähe unseres Wohnheims befindet sich ein Alters- und Pflegeheim. Hier können wir bei Bedarf pflegerische Unterstützung ins Haus holen. Dank dieser Zusammenarbeit können auch pflegebedürftige und demente Menschen mit Beeinträchtigung in ihrer gewohnten Umgebung wohnhaft bleiben.

Wieso habt ihr euch entschieden, daraus ein Crowdfunding-Projekt zu machen?

Ein Kurzfilm ist eine gute Möglichkeit, ein Projekt vorzustellen und zu erklären. Wir wollten unsere Motivation, all die Wünsche und Emotionen unserer Bewohnerinnen und Bewohner einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Da wir für dieses grosse Projekt auf finanzkräftige Unterstützung angewiesen sind, lag es auf der Hand, Film und Spendenaufruf mit einer Crowdfunding-Kampagne zu verbinden.

Schau dir hier das berührende Projekt-Video an!

Das Projekt ist nun zu 90% finanziert und ihr befindet euch auf der Zielgeraden. Ist die Erleichterung schon spürbar?

Wir sind allen Spendern sehr dankbar! Aufgrund einer immens grossen Spende einer Privatperson sind wir überhaupt so weit gekommen. Nun sind wir optimistisch, die 100%-Marke zu knacken – erleichtert werden wir erst sein, wenn es tatsächlich klappt.

Spürst du eine grosse Solidarität in der Region?

Absolut! Die Unterstützung im nahen Umfeld ist klar die Wichtigste.

Was bedeutet dir persönlich dieses neue Wohnheim?

Sehr viel! In unserem Leitbild haben wir verankert, dass wir das Recht von Menschen mit Beeinträchtigung auf Chancengleichheit unterstützen, indem wir die erforderlichen Voraussetzungen schaffen. Wir sind überzeugt mit dem Neubau in Zweisimmen den richtigen Schritt zu mehr Selbstbestimmung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu vollziehen.

Werdet ihr anders wahrgenommen seit ihr das Projekt gestartet habt? Seid ihr sowas wie lokale Helden geworden?

Im Simmental und Saanenland ist der Bekanntheitsgrad der Bergquelle gross. Wir werden seit der Gründung vor 22 Jahren aktiv durch die regionalen Gemeinden unterstützt. Durch eine vermehrte Medienpräsenz, gezielte Spendenaktionen und die Teilnahme am Pilotprojekt Berner Modell zur Umsetzung der Subjektfinanzierung konnten wir den regionalen und sicherlich den überregionalen Bekanntheitsgrad erhöhen. Am Status «lokale Helden» arbeiten wir noch =)

Wie unterstützen die Bewohner des Heims das Projekt?

Mit Eifer produzieren sie in der Werkstatt wunderschöne Produkte für die Spendenaktionen, unterstützen uns an den Marktständen und machen in ihrem Bekanntenkreis Werbung für «z’Projekt».

Schau dir die tollen «Mercis» der Bewohner an!

Angenommen das Wohnheim würde nicht zu Stande kommen, was würde dann aus den Menschen und den bestehenden Wohnhäusern geschehen?

Die aktuellen Wohnheime verlieren in naher Zukunft die kantonale Betriebsbewilligung. Sie werden so oder so verkauft. Wir müssten für die Menschen behindertengerechte Mietwohnungen suchen. Sie würden also ihr zu Hause verlieren.

Möchtest du noch ein paar Worte an die Leser richten?

Von ganzen Herzen bedanke ich mich bei allen Menschen die unser Projekt bereits unterstützen. Wir sind überwältigt von der Solidarität. Noch haben wir das Ziel nicht erreicht und freuen uns weiterhin über jeden Beitrag.

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